Social-Media-Aktion und digitale Vermittlungskonzepte 2018

Mit der kreativen Verarbeitung von Eindrücken kann jeder Museumsbesuch zu einem Erlebnis werden – zum Anlass einer intensiven Auseinandersetzung mit den Exponaten, den Objektgeschichten sowie historischen Zusammenhängen. Der Deutsche Museumsbund möchte mit seiner jährlichen Social-Media-Aktion anlässlich des Internationalen Museumstags hierzu einladen und insbesondere dazu ermuntern, auch neue Medien als Instrument der Vermittlung einzusetzen.


Foto: Deutscher Museumsbund, Vivi D'Angelo

#MuseumsTandem

Anknüpfend an das diesjährige Motto des Museumstags, „Netzwerk Museum: Neue Wege, neue Besucher“, fordert unsere Social-Media-Aktion #MuseumsTandem die Museumsbesucher dazu auf, einen Freund, das eigene Kind, den Arbeitskollegen oder den Nachbarn einfach einmal mit ins Museum zu nehmen, gemeinsam dort Zeit zu verbringen, sich gegenseitig die Lieblingsobjekte zu zeigen und so eine „neue Welt“ zu eröffnen. Wie der Begriff „Tandem“ dies bereits suggeriert: zwei Personen, die ihre Kenntnisse austauschen und so gemeinsam lernen.

Die Dokumentation dieses Museumsbesuchs durch die Nutzer ist Hauptbestandteil der Aktion. Groß ist die Bandbreite möglicher Inhalte, die über soziale Medien wie Facebook, Twitter und Instagram mit uns geteilt werden und so auch mit dem jeweiligen Museum in den Dialog treten können: vom Foto, etwa dem Selfie des Tandems im Museum, bis hin zu Blogposts oder Kurzvideos über die Begegnung mit dem Lieblingsobjekt oder das „1. Mal im Museum“. Regelrechte Liebesgeschichten könnten sich hier entspinnen, sei es „Mein Objekt und ich“ – oder gar Objekte untereinander? Ideal ist dieses Konzept insbesondere für den Aktionstag selbst, da er mit dem Angebot des kostenlosen Eintritts zum Mitnehmen von Freunden und der Familie verführt.

Ansätze für dieses gemeinsame Erleben gibt es viele:

Dating − Flirten im Museum? Romantisch kann es sein, dem Schwarm sein Lieblingsmuseum oder Lieblingsobjekt zu zeigen und so eigene Gedanken und Assoziationen offenzulegen.

Zum 1. Mal Der erste Museumsbesuch ist etwas ganz Besonderes. Nicht nur für Kinder, sondern auch noch für Erwachsene. Wunderbar ist es, wenn wir an diesem Erlebnis teilhaben können und miterleben, wie die Gemeinschaft der Museumsliebhaber weiter wächst.

Integration − #MuseumsTandem bietet sich auch an, um einen älteren Nachbarn, die syrische Bekannte oder auch einen Klienten aus dem Pflegeheim einzuladen und über das Thema Museum gemeinsam ins Gespräch zu kommen.

Für Museen/Museumsmitarbeiter − „Ich nehm’ dich mit“ funktioniert aber auch für Museumsmitarbeiter, etwa wenn sie Besucher an ihren Arbeitsplatz mitnehmen. Spannend wird es, wenn Museen selber netzwerken und Werke aus verschiedenen Häusern in einen digitalen Dialog miteinander bringen. Das fachliche Netzwerk wird dadurch gestärkt.


Vermittlungskonzepte

Die Aktion begleiten auch dieses Jahr wieder kleine Vermittlungskonzepte in Kartenform, die exemplarisch Möglichkeiten für kreatives Arbeiten mit verschiedenen Apps für Tablets und Smartphones aufzeigen. Sie ergänzen den vorhandenen Werkzeugkasten der Vermittlung und eröffnen eine zusätzliche Kommunikationsebene zwischen Objekt, Vermittler und Besucher.

Seit 2016 werden diese Konzepte vom Deutschen Museumsbund in Kooperation mit den Kulturkonsorten (www.kulturkonsorten.de) entwickelt. Sie sollen dafür sensibilisieren, dass der Einsatz digitaler Techniken in der Vermittlung mehr als bloße Unterhaltung sein kann: Zusammen mit Aufgabenstellungen, die verschiedene Lerntypen ansprechen, ermöglichen sie ein aktives und entdeckendes Lernen im Museum – ohne dabei den Spaß aus den Augen zu verlieren. Der Medienwechsel schafft darüber hinaus neue Perspektiven und ermöglicht es, durch den Transfer vom Analogen ins Digitale einen anderen Blick auf die Objekte zu gewinnen. Dabei kann nicht nur ein künstlerischer Umgang (Beispiel #PaintMuseum), sondern auch ein ungezwungenes Experimentieren mit der Technik ermöglicht werden.

Das Wort „kleine“ Vermittlungskonzepte ist hier wörtlich zu nehmen, denn sie sollen in ganz knapper Form ein erster Ideengeber oder die Initialzündung für digitale Angebote in der museumspädagogischen Arbeit sein. Die Konzepte sind so formuliert, dass die einzelnen Methoden miteinander kombinieren und Teil einer umfangreicheren Vermittlungseinheit werden können. Im Laufe der Projektphase des Internationalen Museumstags von März bis Mai werden weiterhin einzelne Blogposts zum jeweiligen Thema sowie praxisorientierte App-Empfehlungen o. Ä. auf www.museumstag.de/fuermuseen/blog/ erscheinen.

Die vorgeschlagenen Konzepte sollen als Anregung dienen, wie digitale Elemente im Anschluss an eine Führung und zur thematischen Vertiefung eingesetzt werden können. Die angegebenen Zielgruppen, Musemstypen und Dauer der Übungen dienen dabei lediglich der Orientierung. Wir laden dazu ein, die Konzepte auch über den Internationalen Museumstag hinaus auszuprobieren, zu modifizieren, kreativ weiterzuentwickeln und in die Museumspraxis zu tragen.


Vermittlungskonzept #4 "Blickwechsel" der Studentinnen der LMU München

Studierendenprojekt der LMU München

Wie das Thema der digitalen Vermittlungsangebote auch Eingang in die Lehre finden kann, zeigte im WS 2017/2018 das Seminar der Lehrbeauftragten Sybille Greisinger an der Ludwig-Maximilians-Universität in München (LMU), Department Kunstwissenschaften, zum Thema „Digitale Vermittlungskonzepte im Museum“. Das Seminar widmete sich neben den Grundlagen der digitalen Kommunikation und Vermittlung im Museum in einer Praxiseinheit dem Erstellen eines Vermittlungskonzeptes für den Internationalen Museumstag 2018. Aus den Ergebnissen wurde von den Studierenden letztlich »Blickwechsel« #4 von Sophia Höver, Franziska Weber, Sarah Scherbel (@SarahSScherbel) und Lisa Berndt ausgewählt, um die vom Deutschen Museumsbund angebotenen Vermittlungskonzepte zu ergänzen.

Ideal erwies sich für die Projektarbeit, dass der Kurs interdisziplinär aufgestellt war und so neben den angehenden Kunsthistorikern auch Studierende der Theaterwissenschaft und der Pädagogik teilnahmen. Die Kooperation verschiedener Fachbereiche ist letztlich im Museumsalltag unerlässlich, will man ein übergreifend funktionierendes Konzept entwickeln. Hierbei ist ein Verständnis der Fragestellungen der Museumspädagogik für Kuratoren ebenso relevant wie die kunsthistorischen Zusammenhänge für die Vermittler. Im Seminar ist dies sicherlich gelungen und lässt hoffen, dass es zukünftig weitere Projekte dieser Art an den Hochschulen geben wird.

Creative Commons Lizenzierung
Das diesjährige Motto „Netzwerk Museum: Neue Wege, neue Besucher“ aufgreifend, werden auch vom Internationalen Museumstag neue Wege eingeschlagen. Alle Vermittlungskonzepte stehen nun unter der Creative Commons Lizenz CC BY-SA 4.0 und können entsprechend der Nutzungsbedingungen beliebig weiterverwendet werden.


Logo Creative Commons, CC BY 4.0, Icons by The Noun Project.

Ein umfänglicher Blogpost wird sich in den nächsten Wochen auch noch einmal diesem wichtigen Thema vertieft widmen, das mehr und mehr Einzug in die Museumsarbeit hält.