Spurensuche im Historischen Museum Bamberg

Was haben ein Löwenpokal, ein Schachspiel und das Gemälde „Zeichenunterricht“ von Joseph Dorn gemeinsam? Sie alle befinden sich in der Sammlung des Historischen Museums Bamberg, sie alle wurden in den 1930er und -40er Jahren vom Museum erworben und sie alle wurden in den letzten Jahren auf ihre Vergangenheit und Herkunft hin untersucht. Denn bei Museums-Neuerwerbungen zwischen 1933 und 1945 heißt es aufgepasst! Nicht selten handelt es sich dabei um sogenanntes NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut, das Juden oder anderen durch das NS-Regime verfolgten Menschen unrechtmäßig weggenommen wurde.

 

Das hat das Historische Museum in Bamberg erkannt und 2012 eines der ersten bayerischen Projekte zur sogenannten „Provenienzforschung“ an einem kommunal geführten Haus angestoßen. Gefördert wurde das Projekt vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste. Provenienzforschung beschäftigt sich mit der Herkunft der Objekte und versucht, deren wechselnde Eigentumsverhältnisse zu klären. Idealerweise kann so herausgefunden werden, ob ein Objekt, das sich im Besitz eines Museums befindet, diesem auch rechtmäßig gehört, oder ob andere Eigentümer ausgemacht werden können.

Die Provenienzforscherin Anne-Christin Schneider begab sich dafür im Historischen Museum auf Spurensuche. Drei Jahre lang untersuchte sie Teile des Museumsbestands auf ihre Herkunft. Eines der von ihr erforschten Objekte war der Löwenpokal aus der Privatsammlung des jüdischen Ehepaares Budge aus Hamburg.

    Als die Sammlung nach dem Tod von Emma Budge 1937 durch das Berliner Auktionshaus H. W. Lange versteigert
    wurde, erwarb die Stadt Bamberg den Löwenpokal für 3.200 Reichsmark. Bei den Versteigerungen der Sammlung
    Budge handelte es sich jedoch um NS-verfolgungsbedingte Verkäufe, da die angesetzten Schätzwerte deutlich
    unter den angemessenen Verkaufspreisen lagen und die Erlöse auf Sperrkonten für das Deutsche Reich
    überwiesen wurden. Auf Grundlage von Schneiders Recherchen konnte der rechtmäßige Verbleib des Pokals
    aber letztlich ermittelt werden und die Erben erhielten, dank zahlreicher Förderer, eine Ausgleichszahlung.
    So bleibt der Löwenpokal dem Historischen Museum Bamberg erhalten.

Aber wie kommt man als Provenienzforscher an solche Informationen? „Ich habe, wie es bei den meisten Recherchen 
der Fall ist, verschiedene Quellen geprüft und die einzelnen Informationen dann wie bei einem Puzzle zu dem Ergebnis 
zusammengefügt“, sagt Schneider. Konkret bedeutete das für sie die Durchsicht der Ankaufsakten des Museums und 
die Suche nach Unterlagen zur Auktion, zum Beispiel in Datenbanken oder Archiven, wie dem Landesarchiv Berlin.

Bei mehreren untersuchten Gegenständen konnte Schneider die Herkunft jedoch nicht einwandfrei klären. Daher wurden einige dieser Gegenstände in der sogenannten „Lost Art Internet-Datenbank“ veröffentlicht, wo sie jetzt gegebenenfalls von ihren früheren Besitzern oder deren Nachkommen gefunden werden können. Außerdem hat Schneider ihre Recherchen sorgfältig dokumentiert. „Auf diese Weise kann die Recherche bei einer veränderten Quellenlage jederzeit weitergeführt werden“, sagt die Provenienzforscherin.

   Wichtig ist den Mitarbeitern des Museums, dass die Ergebnisse nun, da das Projekt abgeschlossen ist, der
   Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Daher zeigt das Historische Museum Bamberg von April bis
   Oktober 2017 eine Ausstellung, die das Projekt und seine Erkenntnisse vorstellt. Passend zum Thema des
   diesjährigen Internationalen Museumstags steht die Ausstellung unter dem Motto „Spurensuche“. Anhand
   eines Beispiels können die Ausstellungsbesucher dabei auch selbst aktiv werden und feststellen, wie
   mühsam die Arbeit eines Provenienzforschers oft ist.

Großes Lob bekam die Ausstellung bereits bei der Eröffnung von der Leiterin der Landesstelle für die
nichtstaatlichen Museen in Bayern, Dr. Astrid Pellengahr: „Die Museen der Stadt Bamberg nehmen mit 
dieser Ausstellung eine echte Vorreiterrolle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern ein. Großes 
Kompliment auch für die Umsetzung dieses Projekts, die den Besucher konkret mit einbezieht.“

Mit seinem Projekt und der Ausstellung leistet das Historische Museum Bamberg somit einen wichtigen Beitrag zur noch längst nicht abgeschlossenen Aufarbeitung der NS-Geschichte, die eben oft auch Museen betrifft. Es beweist damit, ganz im Sinne des Internationalen Museumstags 2017, „Mut zur Verantwortung“.

Alle Fotos © Museen der Stadt Bamberg.

Katharina Eckstein